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Labor bestätigt: Kein Löwe war los

Am Freitag gaben Bürgermeister Michael Grubert und Peter Foitzik von der Polizei erste Entwarnung in Bezug auf Wildtiersichtungen in Kleinmachnow. Die Spurenlage ergab keinen Hinweis darauf, dass es sich um das in der Nacht zu Donnerstag gesichtete Tier um eine Löwin handelte. Dies bestätigt nun auch die Laboranalyse sichergestellter Kot- und Haarproben.

Bereits gestern stand fest, dass die über den Kot extrahierten DNA-Fragmente zu 100 Prozent von einem Wildschwein stammen. Heute liegt auch das Ergebnis der Haaranalyse vor, und der DNA-Abgleich bestätigt die bereits vorliegende mikroskopische Untersuchung, wie uns die amtliche Tierärztin des Veterinäramts Potsdam-Mittelmark heute mitteilte. Somit ist auch das Haar eindeutig einem Wildschwein zuzuordnen.


Mehrere Experten hatten ihre Zweifel daran geäußert hatten, das auf dem über die sozialen Medien verbreiteten Video ein Löwe zu erkennen war. Am Freitag wurde dies auch von zertifizierten Spurenleser bestätigt. Georg Messerer, professioneller und zertifizierter Experte für Spurensicherung hat durch zwei unabhängige Fachleute (einer davon aus Südafrika) Körperform und Haltung des auf dem Video abgebildeten Tieres analysieren lassen. Beide kamen zu dem Schluss, dass es sich keinesfalls um einen Löwen handele.

Die Konturlinie zeigt Haltung und Körperform eines Löwen im Vergleich zum Tier auf dem Video. Sowohl die Form des Rückens als auch des Schwanzes und des Hinterlaufs entsprechen nicht der einer Löwen, sondern eher eines Wildschweines

Für den Laien kaum zu erkennen, für den Experten eindeutig: Hier liefen Wildschweine entlang. Der Abstand der Hufspuren lässt auf eine ungefähre Größe eines Tieres von circa 130 cm schließen.


Chronologie der Ereignisse

Informationsstand 20.7. bis 13:00 Uhr | In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag erreichte die Polizei gegen 00:00 Uhr ein Notruf nach der Sichtung eines freilaufenden Wildtieres im Richard-Strauss-Weg. Von der konkreten Situation wurde ein Handyvideo gesichert. Nach einer ersten Einschätzung handelt es sich bei dem Wildtier um eine Löwin. Die Polizei schätzte nach Prüfung des Videomaterials die geschilderte Situation als glaubwürdig ein. Auch eigene Sichtungen in der Nacht bestätigten dies.

Im Rahmen der Eilzuständigkeit veranlasste die Polizei unverzüglich die Suchmaßnahmen nach der Raubkatze sowie umfangreiche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Hierzu waren zur Nachtzeit mehr als 30 Streifenwagen der Polizei Brandenburg im Einsatz. Zudem erfolgte die Einbeziehung von Polizeihubschraubern. Zusätzlich wurden durch die Polizei noch während der Nacht Tierärzte, Jäger und Veterinäre alarmiert, die den Polizeieinsatz fachkundig unterstützten.

Auch Einsatzkräfte der Polizei Berlin wurden im Laufe der Nacht zur Verstärkung einbezogen. Durch die Polizei erfolgte über die Sozialen Medien, Warn-Apps und Lautsprecherdurchsagen eine Warnung der Bevölkerung vor einer freilaufenden Löwin. Schwerpunkt der Suche war zu diesem Zeitpunkt der Bereich Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf.

Noch in der Nacht wurden auch die Ermittlungen zur Herkunft des Wildtieres aufgenommen. In den geprüften Tierhaltungseinrichtungen, wie Tierparks, Zoos, Tierschutzeinrichtungen oder Zirkussen, wird aktuell kein Tier vermisst.

Gegen 8:15 Uhr wurde die Einsatzleitung der Kleinmachnower Verwaltung übertragen. Die Polizei leistete zur Sicherung der Bevölkerung weiterhin Unterstützung. Freiwillige Feuerwehr und der Außendienst des Ordnungsamtes beteiligen sich an der Suche.


Informationsstand, 20.7., 16:00 Uhr | Weiterhin gab es keine bestätigten Informationen zum Standort des Tieres oder auch zu dessen Herkunft.

Eine Sichtung in Dreilinden wurde von der Polizei geprüft, konnte jedoch – wie viele Meldungen zuvor – nicht bestätigt werden.

Ziel war es, sofern es die Lage zuließe, die Löwin zu betäuben und einzufangen. Dafür standen Fachleute des Veterinäramtes Potsdam-Mittelmark und das Team einer Zoologischen Einrichtung bereit, um ggf. den Betäubungsschuss zu setzen und Transport sowie Aufnahme des Tieres zu gewährleisten. Für den Fall, dass Gefahr drohte, war ein erfahrener Jäger in Bereitschaft, der hätte scharf schießen müssen.


Informationsstand, 20.7, 17:00 Uhr | In der Nacht sollte erneut die Polizei die Einsatzleitung zum Schutz der Bevölkerung übernehmen und die zuständigen Behörden bei der Suche nach dem Tier unterstützen. Der Polizeieinsatz erfolgte mit mehr als einhundert Beamtinnen und Beamten der Polizei Brandenburg.

Die Polizei Berlin war auf ihrem Gebiet ebenfalls im Einsatz, da auch dort Sichtungen gemeldet wurden. Polizeihubschrauber, sowohl aus Brandenburg als auch aus Berlin sowie Polizeidrohnen wurden zur Suche eingesetzt.


Informationsstand, 21.7., 08:00 Uhr | Der Suche nach der Löwin wurde über Nacht durch die Polizei fortgeführt, jedoch ohne Ergebnis. Angebliches Löwengebrüll im Zehlendorfer Raum stammte aus einem Lautsprecher (sehr witzig ☹).


Informationsstand, 21.7., 10:00 Uhr | Durch die Polizei wird aktuell eine großflächige Suche im Waldgebiet zwischen der ersten möglichen Sichtung bis zur Autobahn in Richtung Berlin-Zehlendorf durchgeführt.


Informationsstand, 21.7., 11:00 Uhr | Die erneute vermeintliche Sichtung des gesuchten Tieres durch einen Bürger im Bereich des Schleusenwegs erwies sich als falsch. Doch wurde eine sehr entspannte Bache mit Frischlingen dort aufgeschreckt.


Informationsstand, 21.7., 12:00 Uhr | Nach Expertenanalyse des vorliegenden Videos und ergebnisloser Suche im Waldgebiet zwischen den verschiedenen Sichtungsorten gab es keinen Anhaltspunkt dafür, dass sich eine Raubkatze in Kleinmachnow oder Umgebung aufhielt. Da auch die systematische Suche nach dem Tier selbst, von ihm hinterlassene Spuren oder gar gerissenen Tieren am Freitagvormittag keinerlei Ergebnis brachte, sieht die Polizei sowohl in Brandenburg als auch in Berlin keine Gefährdungslage mehr. Der Einsatz wird daher ab 12 Uhr heruntergefahren.


Informationsstand, 21.7., 17:00 Uhr | Die Umgebung der Sichtungsstelle der vermeintlichen Löwin wird durch den Experten für Fährtenlesen, Georg Messerer, und Mitarbeitende der Verwaltung am Nachmittag vor Ort noch einmal in Augenschein genommen. Nach einigem Suchen lassen sich auf den unbefestigten Seitenstreifen in der Nähe kleinen Waldstücks Wildschweinfährten nachweisen, die die Videoanalyse der beiden Cybertracker-Experten zusätzlich bestätigen. Allerdings – das ist ehrlicherweise festzuhalten – müssen die Spuren nicht unbedingt von dem Tier aus dem Video stammen, da nächtliche Wildschweingänge in Kleinmachnow keine Seltenheit sind.


Informationsstand 24.7., 14:00 Uhr | Zwar steht das endgültige Ergebnis von sichergestellten Laboranalysen durch das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung noch aus, da es sich zum Teil um sehr komplexe und langwierige Untersuchungsvorgänge handelt, doch erste Erkenntnisse wurden der Kleinmachnower Verwaltung nun in einem Vorabbericht übermittelt.

So wurde festgestellt, dass das einzelne aufgefundene Haar keine Eigenschaften hatte, die man von Katzenhaaren kenne. Es hatte eine Grundsteifigkeit, sprich, es ließ sich nicht verformen, sondern nahm immer wieder seine gebogene Form ein. Es hatte außerdem ein zerfasertes Ende und war an seinem Anfang (Hautseite) dunkel (fast schwarz).

Rein visuell spreche also bereits eine Menge dafür, dass es sich um ein Wildschweinhaar handelt, heißt es im Bericht. Zwar lagen dem Labor zum Vergleich keine Wildschweinhaare vor, Löwenhaare jedoch schon. Deren Struktur ist grundverschieden von der des Untersuchungshaares, genau wie die Struktur der Haare einer Hauskatze, das dem Löwenhaar sehr ähnlich sei. Dieses ist sehr dünn, leicht verformbar und in der Nähe ihrer Wurzel eher weiß. Das Untersuchungshaar weist keine diese Eigenschaften auf. Das Labor schließt aufgrund der visuellen Inspektion daher darauf, dass es sich beim Untersuchungsgegenstand mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht um Katzenhaar handelt.

Dass es ein Wildschweinhaar sei, lasse sich jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Die Analyse läuft daher weiter, ebenso wie die des aufgefundenen Kots. Nach ersten Untersuchungen zeige sich in der Laborprobe aber ein hoher Anteil an Pflanzenmaterial, was dagegenspricht, dass es sich um ein hauptsächliches Fleisch fressendes Tier handele.


Informationsstand, 26.7.2023, 12:00 Uhr | Die Analysen der eingereichten Kot- und Haarproben des Wildtieres, dass in Kleinmachnow für so viel Aufregung sorgte, sind abgeschlossen und bringen Gewissheit: Es war kein Löwe! 

Bereits gestern stand fest, dass die über den Kot extrahierten DNA-Fragmente zu 100 Prozent von einem Wildschwein stammen. Heute liegt auch das Ergebnis der Haaranalyse vor, und der DNA-Abgleich bestätigt die bereits vorliegende mikroskopische Untersuchung, wie uns die amtliche Tierärztin des Veterinäramts Potsdam-Mittelmark heute mitteilte. Somit ist das Haar eindeutig einem Wildschwein zuzuordnen.