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Kulturhaus Kammerspiele

 

Gemeinde startet Betreibersuche für das Kulturhaus Kammerspiele

Mit einem „nichtförmlichen Interessenbekundungsverfahren" geht die Gemeinde Kleinmachnow jetzt auf die Suche nach potentiellen Betreibern für ihr Kino und Kulturhaus Kammerspiele. Finden sich dabei qualifizierte Bewerber, die die kulturelle Nutzung und den langfristigen Erhalt des Hauses mit einem tragbaren wirtschaftlichen Konzept garantieren, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Zukunft des traditionsreichen Hauses getan, da dies die Voraussetzung dafür ist, dass die Gemeinde die Kammerspiele erwirbt.

 

Bis zum 25. August 2011 haben Bewerber nun Zeit, sich der Gemeinde vorzustellen und Nutzungs- sowie Wirtschaftlichkeitskonzepte vorzulegen, mit denen sie den Kulturstandort dauerhaft sichern wollen, ohne dass damit zunächst vertragliche Verpflichtungen verbunden sind.

 

Nach Vorstellung der Verwaltung und der Gemeindevertretung sollen die Kammerspiele zu einem Ort werden, in dem Kultur nicht nur allein konsumiert sondern auch erarbeitet und aktiv erlebt wird. Vom künftigen Betreiber wird dazu ein qualitativ hochwertiges genreübergreifendes Kultur- und Kinoangebot erwartet, dass Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen - auch aus einkommensschwachen Personenkreisen - aus Kleinmachnow und der Region den Besuch und die Teilnahme ermöglicht.

 

Die Einbettung des künftigen Programmangebots in die Kleinmachnower Kulturlandschaft ist ebenso erwünscht wie die Öffnung für eine kulturelle Vielfalt, die die gesamte Bevölkerung anspricht.„Wir hoffen natürlich auf ein großes bürgerschaftliches Engagement für die Kammerspiele und sind dafür auch bereit, das Haus pachtfrei einem geeigneten Bewerber zu überlassen", sagt Bürgermeister Michael Grubert. Mögliche Einnahmen verspricht dabei auch der Betrieb der gastronomischen Einrichtung, die dem Pächter ebenfalls überlassen wird.

 

Die Gemeinde will aber auch selbst das Haus für Veranstaltungen in einem vereinbarten Rahmen nutzen können, und erwartet vom künftigen Betreiber daher die Bereitschaft zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit.
Ansprechpartner für die Medien ebenso wie für Bewerber sind:
Frau Weger (? 033203/877-2421)
Frau Konrad (? 033203/877-2381)

 

Interessenbekundungen mit Angaben und Unterlagen zum geplanten Betrieb und zum Bewerber selbst sind zu senden an:

Gemeinde Kleinmachnow,
Stichwort: Interessenbekundungsverfahren Kammerspiele Kleinmachnow,
Adolf-Grimme-Ring 10, 14532 Kleinmachnow

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Ein kurzer Rückblick:


Die Kammerspiele Kleinmachnow wurden 1938 als Lichtspieltheater mit 499 Plätzen nahe Berlin am Spandauer Weg (heutige Karl-Marx-Straße) eröffnet. Im zweiten Weltkrieg blieb das Haus - anders als viele Theater und Kulturstätten in Berlin - unversehrt. Nach Kriegsende 1945 waren etliche Schauspieler, die in Kleinmachnow wohnten, von der unfreiwilligen Schließung mancher Bühne betroffen. So kam es, dass im Kino Kammerspiele nun auch Theater gespielt wurde. Mit der Berlin-Nähe und der damaligen S-Bahn-Anbindung war der Standort ideal.

 

In den 1950er- und 1960er-Jahren forcierten die Behörden in der DDR die Verstaatlichung von Handwerks- und Gewerbebetrieben, aber auch von kulturellen Einrichtungen, wie Kinos und Theater. Bis Anfang der 1960er-Jahre betrieb der Eigentümers sein Kino Kammerspiele allerdings noch weiter. Als der politische Druck in der DDR zunahm und die Enteignung drohte, flüchtete die Familie 1961 in die Bundesrepublik. Danach gingen die Kammerspiele in die Rechtsträgerschaft des volkseigenen Kreislichtspielbetriebs Potsdam über, der die Gestaltung des Kinoprogramms übernahm. In den 70er Jahren wurde das Haus nach verschiedenen Umbauten schließlich zum Kulturzentrum Kleinmachnows und der Nachbarorte und wartete mit einem breit gefächerten Veranstaltungsangebot auf. 1985 übernahm die Gemeinde Kleinmachnow die Regie in den Kammerspielen. Kino, Theater, Musik, Tanz, Informationen und Diskussionen, Kreativkurse und vieles mehr bot das Haus der Bevölkerung.

 

Auch nach der Wende wurde das Kulturhaus Kammerspiele als wichtigste Begegnungsstätte des Ortes von der Gemeinde betrieben, wobei das Kino wieder mehr in den Mittelpunkt rückte. Nach Rückübertragung von Haus und Grundstück an den Erben des Erbauers schloss die Gemeinde mit diesem einen Pachtvertrag für zehn Jahre. Er wurde 2004 nicht verlängert. Der Eigentümer übernahm selbst den Betrieb, möchte diesen aber nicht mehr weiterführen.

 

So steht das Kino und Kulturhaus Kammerspiele nun zum Verkauf, und die Gemeinde vor der schweren Aufgabe, eine endgültige Schließung zu verhindern, denn die Kleinmachnower haben eine große emotionale Bindung an ihre Kammerspiele. Doch um sich für den Kauf und eine Sanierung entscheiden zu können, sucht die Gemeinde einen Betreiber, der mit einem tragfähigen Konzept das Haus wirtschaftlich wieder auf die Beine bringt.

 

Über Geschichte der Kammerspiele Kleinmachnow informiert ausführlich die von der gemeinde herausgegebene Broschüre "Kommunale Kulturorganisation im Wandel der Zeit"