Neues smartes Online-Formular für die Meldung von Wildschweinsichtungen
Wildschweine in Kleinmachnow – das ist seit Jahren ein Thema, das die Gemüter bewegt. Zwischen der Faszination für Wildtiere und dem Ärger über umgegrabene Gärten oder nächtlichen Lärm suchen Gemeinde und Bürgerschaft gemeinsam nach Lösungen. Ein neuer, entscheidender Baustein für ein erfolgreiches Wildtiermanagement ist jetzt online: Ein digitales Meldeformular, das bürgerschaftliches Engagement aufnimmt und sichtbar macht.
Die Begegnung mit Schwarzwild ist in Kleinmachnow mittlerweile fast alltäglich. Die Wahrnehmung dieser Situation fällt jedoch unterschiedlich aus: Während manche die Wildschweine als ursprüngliche Bewohner der Region schätzen, haben andere mit den Folgen zu kämpfen – seien es verwüstete Grünanlagen, Chaos bei den Mülltonnen oder die Sorge vor einer unerwarteten Begegnung mit einer Rotte. Doch trotz aller unterschiedlichen Perspektiven gibt es einen gemeinsamen Nenner: Wir alle wünschen uns ein harmonisches Miteinander von Mensch und Tier sowie ein gepflegtes und sicheres Umfeld.
Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein kontinuierliches „Wildschweinmanagement“ unerlässlich. Die zentrale Frage lautet: Wie steuern wir die Population und das Verhalten der Tiere sinnvoll, um ein verträgliches Miteinander zu gewährleisten? Das geht nicht mit Maßnahmen ins Blaue hinein, sondern nur auf Basis von näheren Daten und Informationen zum örtlichen Geschehen. Genau hier setzt das neue Online-Formular zur Meldung von Wildschweinsichtungen an.
Aus Bürgerengagement wird eine offizielle Lösung
Schon seit fast zwei Jahren werden Sichtungen von Schwarzwild und deren Spuren in unserer Gemeinde systematisch erfasst – allerdings bisher auf rein privater Initiative. Gemeindevertreterin Barbara Schlesinger hat sich diesem Thema intensiv angenommen und über verschiedenste Kanäle Meldungen aus der Bevölkerung gesammelt. Über E-Mail, WhatsApp, nebenan.de und insbesondere die Facebook-Gruppe „Wildschweine in Kleinmachnow + Stahnsdorf“ gingen unzählige Hinweise ein.
Frau Schlesinger bündelte diese Informationen und überführte sie händisch in eine Datenstruktur. Fast 1.500 Datensätze wurden so von ihr und ihrem Team ausgewertet. Dieser enorme ehrenamtliche Aufwand lieferte der Verwaltung und den Jagdpächtern erstmals ein detailliertes Bild der Lage, machte aber auch deutlich: Wir brauchen eine professionelle, digitale Lösung, die diesen Prozess vereinfacht.
In enger Zusammenarbeit zwischen Frau Schlesinger, ihrem Team und der Verwaltung wurde daher ein zentrales Meldeformular auf Basis der Software ArcGIS Survey123 entwickelt. Das Formular befand sich seit September in einem Testbetrieb und wurde dort erfolgreich erprobt. Nach dieser Testphase ist es nun offiziell freigeschaltet und steht allen Bürgerinnen und Bürgern als zentrale, verbindliche Meldestelle zur Verfügung.
So funktioniert das neue Wildschweinmelde-Formular
Das Formular ist darauf ausgelegt, so einfach und schnell wie möglich bedient zu werden. Es ist direkt über die Webseite der Gemeinde erreichbar:
Ein Tipp für die Praxis: Speichern Sie sich den Link zum Formular einfach als Lesezeichen auf dem Home-Bildschirm Ihres Smartphones. So können Sie eine Sichtung quasi in Echtzeit direkt vor Ort eintragen. Der Zeitaufwand beträgt lediglich ein paar Minuten.
Abgefragt werden die wesentlichen Grunddaten für das Monitoring:
- Ort und Zeit der Sichtung
- Anzahl der Tiere (Rotte oder Einzeltiere)
- Verhalten der Tiere
- Mögliche Futterstellen
Wer möchte, kann zusätzlich Fotos hochladen oder detaillierte Situationsbeschreibungen ergänzen. Jede Information hilft, die Datenbasis zu verbessern.
Systematisches Monitoring: Warum der Aufwand wichtig ist
Die systematische Sammlung der Daten unterstützt bei der Ermittlung von Handlungsbedarfen und dient der Wirkungskontrolle sowie dem langfristigen Monitoring. Es geht nicht nur um den Moment der Sichtung, sondern um das Erkennen von Entwicklungen und Trends über Jahre hinweg. Die Daten liefern Antworten auf zentrale Fragen:
- Wie entwickelt sich die Population?
- Verhalten sich die Tiere scheu und ziehen sich, wie gewünscht, in die Waldgebiete zurück?
- Oder nutzen sie weiterhin den innerörtlichen Straßenraum und Gärten?
- Zeigen getroffene Maßnahmen (wie Zäune, Mülltonnensicherungen, Vergrämungsmittel oder das Anlegen von Suhlen im Wald zur Attraktivitätssteigerung des natürlichen Lebensraums) die gewünschte Wirkung?
Nur durch eine lückenlose Datenerfassung können Verwaltung und Experten beurteilen, ob Strategien angepasst werden müssen. Auch bei besonderen Gefahrenlagen oder illegalen Fütterungsstellen ermöglicht das Tool der Verwaltung ein schnelleres Eingreifen.
Ein weiterer Vorteil der digitalen Erfassung ist der Blick über den Tellerrand. Wildschweine halten sich nicht an Ortsgrenzen. Daher werden auch Meldungen aus den Nachbargemeinden Stahnsdorf und Teltow sowie dem angrenzenden Berlin erfasst. Besonders relevant ist dies für Grenzgebiete wie den Buschgraben, den Europarc oder die Übergänge zu den Berliner Forsten. Das Formular bietet so eine Grundlage für den interkommunalen Austausch und abgestimmte Maßnahmen in der ganzen Region TKS.
Wir brauchen Ihre Mithilfe!
Dieses Monitoring ist ein „Living Document“ – es lebt von Ihrer Beteiligung. Das System funktioniert nur, wenn Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, Ihre Beobachtungen mitteilen. Auch wenn Sie den Eindruck haben, dass in bestimmten Gebieten aktuell weniger Wildschweine zu sehen sind: Bitte nutzen Sie das Formular weiterhin! Gerade die Meldung, dass Maßnahmen greifen und Tiere seltener im Ort sichtbar sind, ist eine wichtige Information zur Erfolgskontrolle.
Denn es geht letztlich auch um Tierschutz: Das Ziel ist es, dass Wildschweine wieder echte Wildtiere sein können und nicht zu „Kulturfolgern“ oder gar Haustieren mutieren. Nur so gelingt ein verträgliches Miteinander von Mensch und Schwarzwild.
Übrigens: Auch das Formular selbst entwickelt sich weiter. Ihre Änderungs- und Verbesserungsvorschläge sind jederzeit willkommen, damit die Nutzung für alle so praktikabel wie möglich ist. Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung!
Die bisherige Facebook-Gruppe „Wildschweine in Kleinmachnow + Stahnsdorf“ bleibt als Plattform für den persönlichen Erfahrungsaustausch bestehen – die Daten für die professionelle Arbeit der Gemeinde und Jagdpächter fließen jedoch ab sofort zentral über das neue Formular.
Alle Informationen zum Thema Wildschwein sowie der Link zum Online-Formular finden sich auch weiterhin gebündelt unter: https://www.kleinmachnow.de/Wildschwein