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Kleinmachnow erinnert sich

Bild vergrößern: Texttafel: "Im Gedenken an alle 2500 Zwangsarbeiter und 760 polnischen Frauen aus dem KZ-Ravensbrück, die in der Dreilinden-Maschinenbau-GmbH, einem Unternehmen des Bosch-Konzerns, von 1941 bis 1945 Fluguzeugmotorteile für die deutsche Luftwaffe herstellen mussten"
Texttafel: "Im Gedenken an alle 2500 Zwangsarbeiter und 760 polnischen Frauen aus dem KZ-Ravensbrück, die in der Dreilinden-Maschinenbau-GmbH, einem Unternehmen des Bosch-Konzerns, von 1941 bis 1945 Fluguzeugmotorteile für die deutsche Luftwaffe herstellen mussten"



1995 haben einige Überlebende das KZ-Außenlager Kleinmachnow besucht. Sie wurden vom Bürgermeister begrüßt und man hat sie auf das einstige Lagergelände gefahren. „Aber die Leute in Kleinmachnow haben überhaupt nicht gewusst, dass dort ein Lager gewesen ist, dass dort KZ-Häftlinge arbeiten mussten“, erinnerte sich Kazimiera Rokita einige Jahre später. „Dort sieht man überhaupt nichts mehr. Dabei ist das doch ein richtiges Städtchen gewesen.“

Tatsächlich gab es 1995 nur noch wenige Spuren des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers. Einige alteingesessene Bewohnerinnen und Bewohner Kleinmachnows konnten sich jedoch noch gut an die Dreilinden Maschinenbau GmbH (DLMG) und ihren Zwangsarbeitereinsatz erinnern. Sie haben viel zur Aufarbeitung der NS-Geschichte des Ortes beigetragen.

Dank des Heimatvereins Kleinmachnow und mit Hilfe der Berliner Geschichtswerkstatt igelang es,  die Geschichte der DLMG zu rekonstruieren und zahlreiche Überlebende des Konzentrationslagers zu befragen. In der Folge begann man in Kleinmachnow, sich zu dieser dunklen Seite des Ortes zu bekennen.

Im Jahr 2002 setzten sich Mitglieder des Heimatvereins und einige Gemeindevertreter dafür ein, die letzte auf dem Boschgelände erhaltene Baracke K 43 unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Wegen des schlechten Bauzustandes lehnte die Denkmalbehörde jedoch ab. Bevor die Baracke abgerissen wurde, dokumentierte das Architekturbüro Plewe den Bau; das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege führte auf dem umliegenden Areal Grabungen durch.

2003 wurde auf Initiative des Heimatvereins am ehemaligen Eingangsbereich der Dreilinden Maschinenbau GmbH am Stahnsdorfer Damm 81 eine Gedenktafel angebracht, die an den Zwangsarbeitereinsatz erinnert. Private Spender und die Unterstützung der Firma Bosch machten es möglich, dass zur Einweihung der Tafel Überlebende des KZ und ehemalige Zivilarbeiterinnen und –arbeiter eingeladen werden konnten. Damals fand in dem Gebäude, das heute von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft genutzt wird, eine erste Ausstellung über das Dreilindenwerk statt. Seit 2004 zeigt der Heimatverein im Industriemuseum im Meiereifeld 35 Ergebnisse seiner Recherchen über die DLMG.

Schon während der Debatten über den Abriss der Baracke K 43 und der Baracke für die Lagerküche entstand die Idee, hier einen „Ort der Erinnerung“ zu errichten. Es sollte allerdings mehrere Jahre dauern, bis die „sensible Gedenkstätte“ (Märkische Allgemeine Zeitung vom 14.04.05) auf zwei Fundamentplatten der alten Baracken realisiert wurde. Am 1. September 2006 wurde sie eingeweiht.

22.12.2021