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Krist Vratislav (* 1924): An alles konnten wir uns gewöhnen, nur nicht an die Fliegerangriffe

Der Transport nach Berlin fuhr am 11. März 1942 vom Bahnhof Olmütz ab. Am 12. März kamen wir in Berlin am Anhalter Bahnhof an. Dort wurden wir je nach Ausbildung in Gruppen aufgeteilt. Damals konnte ich schon sehr gut Deutsch, ich hatte von 1930 bis 1938 in Schlesien gewohnt. Wir wurden in der Fabrik Dreilinden M.B. in Wannsee eingesetzt. Gruppen, die keine Ausbildung gehabt hatte, wurden zuerst in ein Schulungslager gefahren. Das war in Charlottenburg, Sophienstraße 20. Die Schulungen dauerten meistens drei bis vier Monate. Ich arbeitete dort 18 Monate als Dolmetscher. Wir wohnten in dem Umschulungslager.

Danach kam ich mit der letzten Gruppe in die Fabrik in Wannsee. Dort wohnten wir in einem Lager aus Holz. Wieder wurde ich als Dolmetscher eingesetzt. Wir hatten genug Zeit, um Berlin kennen zu lernen. Dabei gab es Schwierigkeiten mit der Sprache, aber auch lustige Vorfälle.

Von zu Hause waren wir es gewöhnt, mehr und besser zu essen. Wir bekamen zwar auch Pakete von den Eltern, aber auch bei ihnen gab es schon Schwierigkeiten. 1943 konnte ich für kurze Zeit nach Hause fahren. Ich musste dort eine Prüfung als Maschinenschlosser machen.

An alles konnten wir uns gewöhnen, nur die Fliegerangriffe verursachten Schäden an unseren Nerven. Über die Arbeit konnten wir uns nicht beschweren. Die Meister waren meistens ältere Herren.

(Schreiben an die Berliner Geschichtswerkstatt vom 17.11.1997, BGW-Archiv)