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Das Bosch-Gelände nach dem Krieg

Bild vergrößern: Enteignungsurkunde
Die Enteignungsurklunde für das DLMG-Werk aus dem Jahr 1945




Etwa 120 Beschäftigte der Dreilinden Maschinenbau GmbH versuchten bereits in den ersten Nachkriegsmonaten einen bescheidenen Neuanfang auf dem so genannten Boschgelände: Sie nahmen die Gießerei wieder in Betrieb und produzierten kleine Handwagen. Ein schwieriges Unterfangen, denn die Rote Armee hatte das Firmengelände am 24. April 1945 besetzt, kurz darauf begann die Demontage des Werks. Am 30. Oktober 1945 wurde die Bosch-Tochtergesellschaft auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht vorläufig beschlagnahmt.

In den Baracken des einstigen Zwangsarbeiterlagers siedelten sich Vertriebene an. Die Gemeinde Kleinmachnow nutzte in den ersten Nachkriegsjahren einige dieser Holzbauten: als Wärmehalle, Schule und für Gemeindebüros. Etliche Baracken wurden abgetragen oder an private Nutzer verkauft.

Während sich die sowjetische Besatzungsmacht um dieses Areal offenbar wenig kümmerte, sahen sich jene Arbeiter und Angestellten der DLMG, die den Betrieb wieder beleben wollten, mit zahlreichen Problemen konfrontiert. So beanspruchte eine sowjetische Feldposteinheit im August 1946 die wieder hergestellten Werkstätten für Autoreparaturen. Ein Teil der DLMG-Mitarbeiter wurde hier beschäftigt, die anderen mussten Demontagearbeiten leisten. Zwei Monate später erging der Befehl, das Werksgelände sofort zu räumen. Nun durfte nur noch ein Grundstück am Stahnsdorfer Damm, auf dem die Firma vor Kriegsende Parkplätze, eine Tankstelle und Lagerschuppen errichtet hatte, für die Produktion genutzt werden. Einige Mitarbeiter der DLMG versuchten dort erneut, eine Gießerei aufzubauen. Auch verschiedene andere Betriebe drängten sich in den ersten Nachkriegsjahren auf diesem Areal.

1948 wurden die Produktionshallen der DLMG auf Anordnung der sowjetischen Besatzungsmacht gesprengt. Die entschädigungslose Enteignung der Firma, bereits 1947 beschlossen, wurde am 15.7.1948 rechtskräftig. Das Unternehmen ging in den Besitz des Landes Brandenburg über und wurde volkseigener Betrieb.

Gegen die Enteignung ihrer Tochtergesellschaft hat die Robert Bosch GmbH in Stuttgart mehrfach Einspruch erhoben. Dabei argumentierten die Direktoren des Stammhauses mit der politischen Biografie des Firmengründers: Er war schon vor dem Ersten Weltkrieg wegen seines sozialen Engagements als „roter“ Bosch bekannt und hatte während des Zweiten Weltkriegs den liberalen Widerstand um Carl-Friedrich Goerdeler finanziell unterstützt. Auch seine Erben waren politisch unbelastet. Trotzdem verlor der Konzern in der Sowjetischen Besatzungszone bzw. DDR sämtliche Vermögenswerte, auch die Bosch-Siedlung in Kleinmachnow wurde in Volkseigentum überführt und in August-Bebel-Siedlung umbenannt.

1948 wurde die DLMG aus dem Handelsregister gelöscht. Ihr Rechtsnachfolger war der VEB Dreilinden Maschinenbau, der 1950 in VEB Kokillenguß Kleinmachnow umbenannt wurde und 1967 im VEB Aluminium-Präzisions-Armaturen-Guß (APAG) aufging.

1953 zog der VEB „Max Reimann“ auf das ehemalige Parkplatzgelände der DLMG. Bald wurde „Max Reimann“ Stammbetrieb für alle volkseigenen Kfz-Instandsetzungsbetriebe des Bezirks Potsdam. Etwa 250 Beschäftigte reparierten hier Lastkraftwagen und Busse. 1990 wurde der Betrieb zur Fahrzeuge-Technik-Handel (FATH) GmbH in Gründung umfirmiert und ein Jahr später privatisiert. 2002 musste die FATH GmbH schließen. Heute ist das Gelände, auf dem sich auch der 1991 stillgelegte VEB APAG befand, völlig verwahrlost.

Gut erhalten hingegen ist das einstige Eingangsgebäude der DLMG am Stahnsdorfer Damm 81, in das 1952 die Biologische Zentralanstalt einzog. Jetzt wird es vom Julius-Kühn-Insitut (früher: Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft) genutzt. Seit 2003 erinnert eine Gedenktafel an die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter der DLMG.

Sonst gibt es nur wenige Spuren der Rüstungsfabrik in Kleinmachnow. Ein Teil der Halle K 24, also des KZ-Außenlagers, wurde unter einer inzwischen sanierten Mülldeponie begraben, die sich am Stolper Weg befindet. Das ehemalige Werksgelände der DLMG sowie das „Freizeitgelände“, auf dem sich das Zwangsarbeiterlager befand, hat die Gemeinde Kleinmachnow an eine Wohnungsbaugesellschaft verkauft.

Bild vergrößern: Ort der Erinnerung - Cortenstahlplatte mit Inschrift auf Rasenfläche
Die Gedenkstätte "Ort der Erinnerung" - eingebettet in einen Grünzug - informiert über die Geschichte des Geländes