Das KZ Außenlager Kleinmachnow
„Es gab dort keine Häuser mehr, nur Trümmer und diejenigen, die unter den Trümmern geblieben sind.“
Anna Nowicka über den Warschauer Aufstand
„Dort war alles vorbereitet: Zäune unter Strom, Aufseherinnen, Stuben im Keller unter der Fabrikhalle.“
Maria Cicha über ihre Ankunft in Kleinmachnow
„Auf einigen Kisten habe ich die Aufschrift Bosch gesehen. Wir haben auch Löffel bekommen, auf denen Dreilinden stand.“
Wiesława Wnętrzewska über ihre Ankunft in Kleinmachnow
„Wir wurden zwei Wochen lang durch ganz Deutschland gefahren. Denn es gab für uns in keinem Lager Platz, weil ganze Bezirke aus Warschau abtransportiert wurden.“
Kazimiera Mleczko über ihre Vertreibung aus Warschau
Die Zitate stammen aus Interviews mit Warschauerinnen, die die Kämpfe dort miterlebt haben und als Zivilistinnen miterlebt haben und von den deutschen Besatzern zur Zwangsarbeit nach Kleinmachnow verschleppt worden sind.
Im September und Oktober 1944 kamen zwei Transporte mit insgesamt 765 weiblichen KZ-Häftlingen in Kleinmachnow an. Mitarbeiter der Dreilinden Maschinenbau GmbH hatten die Frauen und Mädchen im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück zur Zwangsarbeit ausgewählt. Die meisten Häftlinge stammten aus Polen und waren während des Warschauer Aufstands 1944 nach Deutschland deportiert worden. Diese Erhebung der polnischen Heimatarmee wurde mit äußerster Brutalität von den deutschen Besatzern niedergeschlagen. Unter anderem verschleppten sie rund 600.000 Zivilisten aus der polnischen Hauptstadt, von denen mehr als 60.000 direkt in Konzentrationslager eingewiesen wurden.
Die Geschichte des KZ-Außenlagers Kleinmachnow ist kein Sonderfall. Seit Herbst 1942 musste die SS der Privatwirtschaft gegen Entgelt KZ-Gefangene zur Verfügung stellen. In der Folge entstanden in der Nähe von Industriebetrieben oder auf deren Gelände neue KZ-Außenlager mit teilweise mehreren Tausend Häftlingen. Allein in Berlin und Umgebung gab es gegen Kriegsende etwa 170 KZ-Außenlager.
Das KZ-Außenlager Kleinmachnow, das administrativ dem Konzentrationslager Sachsenhausen untergeordnet war, befand sich auf dem Werksgelände der Dreilinden Maschinenbau GmbH (DLMG) in der Halle K 24. Diese große, moderne Produktionshalle war mit einem doppelten Stacheldrahtverhau umzäunt, der Innere stand unter Strom. So waren die KZ-Häftlinge von den übrigen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern völlig isoliert. Aus Berichten von Überlebenden wissen wir, dass sich die so genannten Stuben der Gefangenen im Keller befanden, jeweils 30 bis 40 Frauen teilten sich einen fensterlosen Raum mit Etagenpritschen. Bewacht wurden die Häftlinge von einem Lagerkommandanten und acht Wachleuten des 7. SS-Wachbataillons Sachsenhausen, außerdem waren etwa 30 Aufseherinnen in Kleinmachnow tätig.
Die bereits durch die Erlebnisse im Warschauer Aufstand traumatisierten und erschöpften Frauen und Mädchen mussten in wechselnden Tages- und Nachtschichten von jeweils zwölf Stunden arbeiten. Von den deutschen Vorgesetzten wurden sie in der Regel korrekt behandelt, doch die Aufseherinnen schikanierten die Häftlinge, quälten sie mit Schlägen und mitunter stundenlangen Appellen.
Die Verpflegung war so unzureichend, dass die meisten Frauen bereits nach wenigen Wochen völlig abgemagert waren. Nur wenige erhielten Arbeitskleidung von der DLMG, die anderen besaßen nichts außer Holzpantinen und zumeist dünnen Kleidern, die mit einem Kreuz gekennzeichnet waren. Wenn eine krank wurde, versuchte sie dies zu verbergen, obwohl es ein Krankenrevier gab. Denn wer nicht mehr arbeiten konnte, wurde nach Ravensbrück zurückgeschickt und das bedeutete den Tod.
Häftlingstötungen hat es im KZ-Außenlager Kleinmachnow nicht gegeben, das belegen Aussagen der Überlebenden und ein Ermittlungsverfahren aus den siebziger Jahren. Einige Frauen wurden jedoch zeitweilig in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück geschickt, wo man "gynäkologische Experimente" an ihnen vornahm.
Im April 1945 wurde das Außenlager aufgelöst, die Häftlinge wurden in das Stammlager Sachsenhausen verbracht. Paul Vogelgsang, einer der beiden Geschäftsführer der DLMG, hat die Räumung des Lagers mit vorbereitet und die Frauen so ihrem weiteren Schicksal ausgeliefert: Von Sachsenhausen aus wurden sie am 22. April 1945 auf den berüchtigten Todesmarsch in Richtung Schwerin getrieben. Wie viele von ihnen dabei umgekommen sind oder von SS-Leuten ermordet wurden, weil sie nicht mehr laufen konnten, wird wohl nie mehr in Erfahrung zu bringen sein.
Nach Kriegsende ist oft behauptet worden, dass die Unternehmen zum Einsatz von KZ-Häftlingen gezwungen worden seien. Zahlreiche Dokumente und Aussagen führender SS-Funktionäre belegen jedoch, dass die Industriebetriebe die Häftlinge in der Regel angefordert haben und selbstverständlich hatten sie die Möglichkeit, auf den Einsatz dieser Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter zu verzichten.
Zum Weiterlesen:
Kazimiera Mleczko: "Es gab für uns nirgends Platz, in keinem Lager"
Am 10. August 1944 wurde ich zusammen mit meinem Ehemann und meinen Eltern aus meiner Wohnung in Warschau abgeholt. Ich war damals 26 Jahre alt. Es war Abend. Sie führten unsere Gruppe, etwa fünfzig Personen, unter Bewachung durch die Straßen der brennenden Stadt zum Westbahnhof. Von dort brachte man uns mit einem Zug nach Pruszków. Bis zum Morgen saßen wir in einer dunklen, überfüllten Werkshalle. Dann trieb man uns alle zu einem Nebengleis, wo Güterwaggons standen, in die wir einsteigen mussten. Sie wurden sofort verriegelt. In diesen dreckigen, bis zum Bersten überfüllten Waggons wurden wir zwei Wochen lang durch ganz Deutschland gefahren, zusammengepfercht wie Tiere, ohne Wasser, ohne Verpflegung, ohne Toilette. Denn es gab für uns nirgends Platz, in keinem Lager.
Eines Nachts hielt der Zug auf einem Nebengleis. Im blendenden Licht der Scheinwerfer wurden die Männer aus den Waggons herausgezerrt. Man hörte Gebrüll und das Bellen von Hunden. Wie sich später herausstellte, war das das KZ Buchenwald. Hier wurde ich von meinem Vater und meinem Mann getrennt. Die Frauen fuhren weiter. Nach einigen Tagen erreichte der ganze Transport Bergen-Belsen, wo wir die nächsten Tage auf einem leeren Platz hinter Stacheldraht unter freiem Himmel verbrachten. Schließlich fuhr man uns zur Station Fürstenberg/Mark. Mitten in der Nacht ließen sie uns aussteigen. Unter Bewachung von SS-Männern mit Peitschen und Hunden wurden wir ins Lager Ravensbrück geführt. Schrecklich war der Augenblick, als wir das Tor passierten, das werde ich bis zum Ende meines Lebens nicht vergessen.
Der Aufenthalt in Ravensbrück begann für mich genauso wie für andere Häftlinge: Man nahm mir alle persönlichen Sachen weg, Kleidung, Unterwäsche, Andenken, die ich aus dem brennenden Warschau mitgenommen hatte, und Schmuck. Ich musste mich nackt ausziehen. Man hat mir die Haare geschoren. Von diesem Augenblick an war ich kein Mensch mehr, nur eine Nummer.
Nach dem Bad kampierten wir drei Tage lang unter freiem Himmel. Da sehr viele Transporte aus Warschau kamen, war das Lager schrecklich überfüllt. Ich hatte ein dünnes Hemd, ein Sommerkleid und Holzschuhe an. Dann wurde ich in einer Baracke untergebracht, in der drei Häftlinge auf einer Pritsche schlafen mussten. Die Bedingungen waren entsetzlich: um vier Uhr morgens Appell, Schläge mit der Peitsche, zwölf Stunden täglich Arbeit, graben im Sand. Zweimal täglich Essen: schwarzer Malzkaffee und ein kleiner Becher Wassersuppe. Die Toilette zu benutzen, war eine Qual.
In Kleinmachnow wurde der ganze Frauentransport im Keller untergebracht, unter einer riesengroßen Fabrikhalle. Der Keller war dunkel, feucht, das Wasser lief die Wände herunter. Ich arbeitete zwölf Stunden am Tag an einer Drehbank und musste an der Maschine stehen. Das machte mir am meisten zu schaffen, ich hatte schreckliche Schmerzen in den Beinen. Ich konnte das nicht ertragen, wurde immer wieder ohnmächtig. Dann wurde ich ernsthaft krank und musste auf das Revier. Aber ich wusste, dass sie mich, wenn ich mich nicht zur Arbeit aufraffe, zurück nach Ravensbrück schicken würden. Und dort würden sie mich fertig machen. Dank der Hilfe meiner Kameradinnen hielt ich durch. Später nahm ich mit einigen anderen Frauen an einem Kurs für Einrichter teil. Ich sprach ziemlich gut Deutsch und in der Fabrik wollte man Ersatzpersonal haben. Während des Kurses musste ich nicht an der Maschine stehen und wir bekamen auch besseres Essen.
Ich hatte einen guten Meister. In der Nachtschicht brachte man für die deutschen Arbeiter Suppe in großen Behältern. Und er ließ für mich gar nicht wenig von dieser Suppe zurück, so dass ich sie mit meiner Mutter und den Freundinnen teilen konnte. Er war wirklich ein guter Mensch. Übrigens bin ich vielen anständigen Deutschen begegnet. Im Vergleich zu Ravensbrück fühlte ich mich in Kleinmachnow wie ein anderer Mensch. Und ich hatte auch mit anderen Menschen zu tun. Ja, wir wurden die ganze Zeit von den Aufseherinnen bewacht, aber sie waren nicht alle böse, einige verhielten sich anständig.
Im April 1945 wurden wir täglich zig Kilometer gejagt. Ich hatte zu große Holzschuhe und schreckliche Wunden an den Füßen. Die Angst, sofort erschossen zu werden, mobilisierte die Kräfte, die immer weniger wurden. Aber ich glaubte fest, dass das Ende des Krieges schon nahe war. Man hat uns am 2. Mai 1945 befreit. Das Grauen war zu Ende, aber auch ich war am Ende meiner Kräfte. Einige Kameradinnen zogen sich deutsche Uniformen an, denn die lagen dort in Fülle herum und waren sauber. Ich konnte das nicht.
Bald darauf wurden wir nach Spakenberg gebracht, wo meine Mutter und ich fast eineinhalb Jahre geblieben sind. Dann bekamen wir die Nachricht, dass mein Bruder und meine Schwester überlebt hatten, und wollten gleich zurück nach Polen. Wir meldeten uns zum nächstmöglichen Transport. Durch das Rote Kreuz erfuhr ich, dass mein Mann nicht mehr lebte, er war während des Marsches erschossen worden. Der Ehemann einer Kameradin aus Kleinmachnow war Augenzeuge. Ich hatte also meinen Mann verloren und meine Gesundheit. Ich habe auch meine Wohnung verloren und alles, was ich besaß. Ich war obdachlos. Man musste von Null an anfangen.
(Schriftlicher Bericht, Warschau im März 2001)
Kazimiera Rokita: Ein Rosenkranz aus Papier
Bei Kriegsbeginn war ich 14 Jahre alt, ich war das jüngste von sechs Kindern. Ich habe sieben Jahre lang die Grundschule besucht, damit ist meine Ausbildung damals zu Ende gewesen. 1944 haben wir zu Hause zu viert zusammengelebt: meine Eltern, eine Schwester und ich. Am 1. September sind wir abgeholt worden. Mein Vater ist in Mauthausen geblieben und schon am 12. September ermordet worden. Wir anderen sind nach Ravensbrück gekommen, von dort aus sind meine Mutter und meine Schwester nach Buchenwald und dann nach Bergen-Belsen gebracht worden, mich haben sie nach Kleinmachnow geschickt. Es war schrecklich, sowohl vom Vater als auch von der Mutter und der Schwester getrennt zu werden. Ich habe nichts gesehen, nichts gehört, nur geweint und gebetet.
In Kleinmachnow habe ich in einer großen Stube gewohnt, mit etwa 40 Frauen. Sie lag im Keller und hatte nur zwei winzige Fenster, die Luft war immer schlecht. Ich kann mich an zwei runde Waschbecken mit kaltem Wasser erinnern, aber an ein Handtuch kann ich mich nicht erinnern. Ich weiß auch nicht mehr, ob es Toilettenpapier gab. Die Seife war wie aus Lehm. Wir haben Wäsche gemacht, aber ohne Seife. Schlüpfer brauchte man nicht zu waschen, denn wir hatten keine. Socken haben wir erst später bekommen.
Der Tag hat entweder mit Arbeit oder mit Schlaf begonnen. Manchmal haben wir "Spaziergänge" gemacht, an der Halle entlang, auf und ab, hin und her. Wir haben unsere Decken mit nach draußen genommen, denn es war Winter und sehr kalt. Alle haben sich in ihre Decken gewickelt, das hat ausgesehen wie ein Umzug von Gespenstern, und wir haben darüber gelacht. Aber so konnten wir wenigstens etwas frische Luft schnappen. Gesprochen haben wir nur über Kuchen und Delikatessen. Ich habe mir aus Papier eine Schnur mit Knoten gemacht, mit zehn Knoten, damit ich den Rosenkranz beten konnte. Und ich habe gebetet, es gab nichts anderes zu tun.
Einer der Einrichter hieß Gustav, er war sehr fürsorglich und rücksichtsvoll. Wir haben nur Socken gehabt, die ständig rutschten und viel zu kurz waren. Also haben wir versucht, sie mit Stofflappen zu verlängern und Kniestrümpfe daraus zu machen. Eines Tages hat eine Aufseherin das gesehen und einer von uns diese Socken weggenommen, sie hat die Frau angeschrieen oder geschlagen. Da ist Gustav hingegangen und hat sich eingemischt. "Was soll das?" hat er gefragt, "das sind doch alles junge Mädchen, die sich Sorgen machen, die Sehnsucht haben. Diese Frau hat doch nichts Böses getan." Und die Aufseherin hat die Strümpfe tatsächlich zurückgegeben.
Wenn die Aufseherinnen allein waren, waren sie weniger streng, sie scheinen Angst vor einander gehabt zu haben. Ich erinnere mich da an eine Situation: Ich hatte doch keine Taschen und habe nicht gewusst, wo ich mit meinen Händen hin sollte. Also habe ich meistens eine Hand an die Wange gehalten, das hatte ich mir angewöhnt. Einmal hat mich eine der Aufseherinnen so gesehen und gefragt, ob ich Zahnschmerzen hätte, und ich habe einfach "ja" gesagt. Da hat sie mir geraten, ins Revier zu gehen, irgendwie hat sie Mitleid gehabt. Dabei war es eine, von der man sonst kein Mitgefühl erwarten durfte. Die Aufseherinnen sind menschlicher gewesen, wenn sonst niemand in der Nähe war.
Einmal ist der Kommandant nicht da gewesen, es gab auch keine Arbeit mehr, nichts hat mehr funktioniert. Da hat uns die Oberaufseherin von morgens, etwa 10 Uhr, wohl bis 16 Uhr vor der Fabrik stehen lassen. Es war Februar, windig und kalt. Sie wollte uns bestrafen, aber ich weiß nicht wofür, keine von uns hat das gewusst. Dann ist der Kommandant gekommen, er hat sich für uns eingesetzt, und wir durften gehen.
Als es mit der Arbeit zu Ende war, ist es in der Fabrik plötzlich ganz still geworden. Wenn man durch die Halle gegangen ist, hat man sich wie auf einem Friedhof gefühlt. Und dann sind wir weggeschafft worden, das war im April. Nachts haben wir die Bombenangriffe gehört, aber unsere Halle haben wir unversehrt verlassen. In Oranienburg sind wir wohl mit dem Zug angelangt, aber daran erinnere ich mich auch nicht genau. Ich weiß nur, dass die Stadt, durch die man uns ins Lager geführt hat, sehr zerstört gewesen ist.
Ich bin als erste nach Polen zurückgekehrt, im Juni. Meine Mutter und meine Schwester sind im November zurückgekommen. Zuerst bin ich zu meinen Schwestern gegangen, die in Włochy bei Warschau gewohnt haben. Am nächsten Tag sind wir zu meinem Bruder gefahren, er hat in Koło, an der Peripherie von Warschau, eine Gerberei geleitet. Ich bin hineingegangen und habe so getan, als ob ich Leder von ihm kaufen wollte. Ziemlich lange hat er mit mir wie mit einer fremden Person gesprochen. Erst als ich nicht mehr wusste, was ich sagen sollte, und lachen musste, hat er mich wieder erkannt. Es war nicht einmal ein Jahr vergangen, seit wir uns zum letzten Mal gesehen hatten, aber ich hatte mich sehr verändert, ich habe etwa 35 Kilo gewogen. Trotzdem bin ich nicht krank geworden, ich weiß selbst nicht, wie das möglich gewesen ist. Später, bei einem Fest, habe ich mich auf eine Waage gestellt und mehr gewogen als jeder der Männer, die dort zu Gast waren. In einem halben Jahr habe ich so zugenommen.
Ich bin bei meinem Bruder geblieben, und meine Mutter hat dann auch bei ihm gewohnt. Dann habe ich in einer Wirkerei gelernt und später eine Genossenschaft geleitet. 25 Jahre habe ich gearbeitet. Erst heute überlege ich mir, ob die Vergangenheit mein Leben beeinflusst hat. Früher habe ich darüber nicht nachgedacht, man hat einfach nur gelebt. Aber jetzt hat meine Tochter schon seit zwei Jahren erhöhte Körpertemperatur, und ich frage mich... Jetzt denke ich an die schwere Schwangerschaft, die schlechten Befunde, das bringe ich in einen Zusammenhang. Ich beschuldige niemanden, ich klage auch niemanden an, vielleicht hängt das ja doch nicht zusammen.
Vor ein paar Jahren bin ich in Kleinmachnow gewesen. Dort sieht man überhaupt nichts mehr. Dabei ist das doch ein richtiges Städtchen gewesen mit all diesen Gebäuden, ich habe sie gesehen als wir abgeführt worden sind, einmal sind wir dort auch spazieren gegangen. Sie haben alle ähnlich ausgesehen. Wir haben den Bürgermeister besucht, sind im Museum gewesen, und man hat uns auf das Lagergelände gefahren. Aber die Leute in Kleinmachnow haben überhaupt nicht gewusst, dass es dort ein Lager gegeben hat, daß dort KZ-Häftlinge gearbeitet haben. Die Stelle, an der unsere Halle früher gestanden hatte, ganz am Ende des Geländes, haben wir gefunden, allerdings konnten wir sie nach über 50 Jahren nicht mehr genau ausmachen. Wir konnten uns nur schwer orientieren, denn es gab es dort keine Spuren mehr, nur Gras und Unkraut.
(Warschau, 29.6.2000)