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Zur Geschichte der Dreilinden Maschinenbau GmbH

Schon kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Robert Bosch, der Gründer des Stuttgarter Konzerns, mit Forderungen der neuen Regierung konfrontiert. Der Stuttgarter Raum sei im Kriegsfall schwer zu verteidigen, so die Meinung der Militärs. Bosch solle daher im Innern Deutschlands eine Ausweichfabrik errichten. Denn die Produkte der Firma - Anlasser, Magnetzünder und vor allem Diesel-Einspritzpumpen - waren für die Aufrüstung des Deutschen Reiches unersetzlich.

Bald fand man in einem Waldgebiet der Gemeinde Kleinmachnow ein geeignetes Grundstück. In enger Zusammenarbeit mit dem Reichsluftfahrtministerium und unter größter Geheimhaltung wurde hier eine hochmoderne Rüstungsfabrik gebaut, in der seit 1935 Einspritzpumpen, Anlasser, Entstörgeräte und Lichtmaschinen für Flugzeuge der deutschen Luftwaffe gefertigt wurden. Die Werkshallen wurden bewusst relativ klein gehalten und waren von Bäumen überschattet, so sollten sie den Eindruck einer Wohnsiedlung erwecken und vor Feindaufklärung geschützt sein.

Trotzdem erfuhren die Alliierten von der Tarnfabrik in Kleinmachnow. In einem Bericht für das US-Justizministerium aus dem Jahr 1943 wird sie als „shadow plant“, also Schattenfabrik bezeichnet. Die Nationalsozialisten hätten eine Politik der Duplizierung und Dezentralisierung von Rüstungsunternehmen betrieben, heißt es in dem Gutachten; auf diese Weise seien regelrechte „Schattenregionen“ mit Tarnfabriken entstanden.Tatsächlich war Bosch nicht das einzige Unternehmen, das eine geheime Verlagerungsfabrik am Berliner Autobahnring errichtete. Die Reichshauptstadt war nicht nur Sitz des NS-Regierung, sondern auch die wichtigste Rüstungsschmiede des „Dritten Reiches“. Allein die Luftfahrtindustrie war in der Umgebung Berlins mit mehr als einem Dutzend großer Fabriken vertreten; während des Zweiten Weltkriegs wurde hier jeder zehnte Flugzeugmotor hergestellt. Zubehör für diese Motoren lieferte die Dreilinden Maschinenbau GmbH (DLMG).

Sie expandierte schnell. Die Werksanlagen wurden ständig erweitert, Grundstücke hinzugekauft. 1943 besaß die DLMG etwa 400.000 Quadratmeter Liegenschaften. Die Hälfte der Grundstücke wurde für die Unterbringung der „Gefolgschaft“ genutzt, die 1941 bereits auf rund 4.000 Beschäftigte angewachsen war. So entstand die Robert Bosch-Siedlung in Kleinmachnow, die heute August-Bebel-Siedlung heißt; auch in Stahnsdorf wurde eine Wohnanlage für Mitarbeiter der Firma gebaut. Neben dem Werksgelände errichtete die DLMG ein großes Barackenlager für die ausländischen Arbeitskräfte: Von den etwa 5.000 Beschäftigten, die die DLMG gegen Kriegsende beschäftigte, waren mehr als die Hälfte Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge des KZ-Außenlagers Kleinmachnow, die man aus zahlreichen Ländern hierher verbracht hatte.

Die Bilanzen des Unternehmens zeigen – soweit sie überliefert sind – eine positive Geschäftsentwicklung. In der Zeit von 1938 bis 1942 stiegen die Umsätze von etwa 700.000 auf knapp 33 Millionen Reichsmark. Im gleichen Zeitraum verdreifachte sich das Vermögen der DLMG auf 45,5 Millionen Reichsmark. Dabei unterstützte das Reichsluftfahrtministerium die Bosch-Tochtergesellschaft großzügig mit Krediten und Beihilfen.

Nach Kriegsende wurde die DLMG enteignet und in einen volkseigenen Betrieb überführt. Auf dem so genannten Boschgelände versuchten Mitarbeiter der DLMG hier einen Neuanfang, später siedelten sich hier andere Firmen an.