Vom Mauerfall bis zur Jahrtausendwende
1990-1999
1990
Mit den Strom von Besuchern aus dem Westen finden auch viele ehemalige Kleinmachnower den Weg zurück in die Heimat, zum Teil mit massiven Folgen für die hier Lebenden, denn sie fordern ihren von Nazis und DDR-Regierung enteigneten Besitz zurück. Weit mehr als 1000 Menschen verlieren so allein in Kleinmachnow ihr Zuhause. Noch heute beschäftigen zahlreiche Restitutionsansprüche – vor allem in der Sommerfeldsiedlung – die Gerichte. Die Einwohnerzahl Kleinmachnows beträgt 11.830, hat also wieder den Stand von vor dem Krieg erreicht. Bei den ersten Wahlen nach der Wende wird Dr. Klaus Nitzsche (SPD) zum Bürgermeister gewählt.
1991
An der Hohen Kiefer entstehen neue Geh- und Radwege. 50 neue Wartehäuschen gibt es für die Bushaltestellen, und erstmals regelt eine Ampel den Verkehr in Kleinmachnow, und zwar an der sanierten Kreuzung Zehlendorfer Damm/Meiereifeld. Die Gemeindevertretung beschließt das Siedlungsvorhaben Stolper Weg, wo von Rückgabeansprüchen betroffene Kleinmachnower zu günstigen Konditionen bauen können. Die gemeindeeigene Wohnungsbaugesellschaft GeWoG wird gegründet, Geschäftsführter wird Michael Grubert.
1992
Die katholische Gemeinde weiht am 28. Juni ihre neue Kirche an der Hohen Kiefer. Das unabhängige Bürgerblatt „Kleinmachnower Zeitung“ erscheint im April erstmals und berichtet von den zahlreichen Kleinmachnower Mietern und Hauseigentümern, die in Bonn gegen die drohende Massenvertreibung in den neuen Bundesländern in Folge von Rückübertragungen demonstrieren. Die Oberschule am Weinberg wird zum Gymnasium befördert. Und mit der Schließung der letzten Filiale verabschiedet sich "Konsum" aus Kleinmachnow.
1993
Das Land wird wieder einmal neu sortiert: Aus dem Bezirk Potsdam wird wieder das Land Brandenburg, und aus dem Kreis Potsdam- Land wird Potsdam-Mittelmark. In der August-Bebel-Siedlung wird der Grundstein für eine umfassende Erweiterung gelegt. Der Heimatverein wird gegründet. Am Grenzkontrollpunkt Dreilinden halten die Abrissbagger Einzug. Auf dem Areal entsteht mit dem Europarc ein Gewerbegebiet. Den ersten Spatenstich vollzieht Brandenburgs Ministerpräsidetn Manfred Stolpe. Kommunal- und Bürgermeisterwahlenwahlen im Dezember: Neuer Bürgermeister wird Wolfgang Blasig (B90/Grüne).
1994
Mit der Inbetriebnahme eines neuen Schmutzwasserpumpwerkes am Thomas-Müntzer-Damm wird der weitere Ausbau des Abwassernetzes eingeläutet. Die marode Schleusenbrücke wird am 1. September für den Autoverkehr gesperrt, dafür aber der Neubau der Friedensbrücke eröffnet, und am Buschgraben erfolgt die Grundsteinlegung für das Seniorenstift „Collegium Augustinum“. Mit Klaus-Jürgen Warnick ist erstmals ein Kleinmachnower als Abgeordneter im Deutschen Bundestag vertreten.
1995
Das Astron-Hotel (später NH-Hotel) wird in den Kiebitzbergen eröffnet. Außerdem sind die Freigabe der neuen Bäkebrücke und die Grundsteinlegung für die Siedlung Stolper Weg zu feiern. Versuche, die Fusion von Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf („Telstahnow“) voranzubringen, verlaufen (wieder einmal) im Sande.
1996
Die Baden-Württembergische Stadt Schopfheim und Kleinmachnow machen aus jahrelanger Freundschaft eine Stdtepartnerschaft. Für 1912 von 3239 Häusern in Kleinmachnow sind Rückübertragungsansprüche angemeldet. Bundesbauminister Klaus Töpfer stellt sich im übervollen Saal der Kammerspiele den Fragen der Kleinmachnower/-innen zu den Problemen der Resitutionsansprüche. Außerdem wird auf dem ehemaligen Grenzübergang Düppel ein Wochenmarkt etabliert. Die Kleinmachnower Kanutin Birgit Fischer gewinnt olympisches Gold in Atlanta. Auch Kerstin Köppen aus Kleinmachnow gewinnt Gold im Ruder-Doppelvierer. Sünden der Vergangenheit werden beseitigt. Mit dem ersten von drei Bauabschnitten beginnt die Abdichtung und Rekultivierung der alten Mülldeponie am Stolper Weg.
1997
Das stillgelegte alte Autobahnteilstück vom Teltowkanal bis zur BAB A 115 wird renaturiert, und bis zum Herbst werden die alten Brücken teilweise gesprengt und beseitigt. Ins Augustinum ziehen die ersten Bewohner ein und Kleinmachnow verzeichnet nun 12.000 Einwohner. Die Ernst-Thälmann-Schule heißt fortan Steinweg-Schule.
1998
Am Sperberfeld auf dem Areal der früheren NVA-Kasernen zwischen Heidefeld und Hohe Kiefer beginnt der Bau von Doppelhäusern. An der Förster-Funke-Allee erhält die Jugend Kleinmachnows eine neue Freizeiteinrichtung, und die Gemeindevertretung beschließt den Bebauungsplan für das Gebiet beidseitig der Förster-Funke-Allee, in dem das bereits seit Jahrzehnten ersehnte Ortszentrum entstehen soll.
1999
Der Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau der Kleinmachnower Schleuse für Großmotorschiffe und bis zu 185 Meter lange Schubverbände wird vorgelegt. Bürgerverbände laufen dagegen Sturm. Mit der „Ameisenburg“ wird der erste Kitaneubau eingeweiht, und an der Förster-Funke-Allee ist Baubeginn für ein neues großes Wohngebiet. Kleinmachnow hat jetzt 14.000. Einwohner/-innen.