Deutsch-deutsche Grenze in Beton
1961-1989
1961
August 1961: Insgesamt sind von 1949 bis zum 13.8.1961 rund 2,6 Millionen Menschen aus der DDR geflohen. Auch rund 4.800 Kleinmachnower haben bis zu diesem Tag bereits die Flucht Richtung Westen ergriffen.
13. August 1961: Die Regierung der DDR schließt ihre Grenzen zu West-Berlin und der BRD.
Mit dem Mauerbau wird Kleinmachnow zur „Insel“ und ist mit der übrigen DDR jetzt allein über drei Brücken verbunden. Nach Ost-Berlin kommen die Menschen nur noch mit Bus und Bahn über den Berliner Außenring. Auch von den schnell zu erreichenden Theatern, Museen und anderen kulturellen Einrichtungen in West-Berlin ist Kleinmachnow somit abgeschnitten. Ganze Straßenzüge im Grenzbereich werden zum Sperrgebiet erklärt und dürfen nur noch mit Passierschein betreten werden. Besuch kann von den Anwohnern nur noch auf Antrag empfangen werden.
1962
5.2.1962: Antonie (Toni) Stemmler übernimmt kommissarisch das Amt des erkrankten Bürgermeister Otto Bachmann.
Der Club der Intelligenz „Joliet Curie“ – auch „Curry-Club“ genannt - sorgt für Unterhaltung in der Hakeburg und der kleine Kobold Pittiplatsch hat seinen ersten Auftritt im Deutsche Fernsehfunk. Gestaltetder wurde Puppe von der Kleinmachnower Puppenkünstlerin Emma-Maria Lange (1921–2016).
Oktober/November 1962: Von einem unbebauten West-Berliner Grundstück graben fünf Fluchthelfer einen Tunnel nach Kleinmachnow zur Straße Wolfswerder. Sie werden jedoch verraten und verhaftet.
1963
26.4.1963:Der 19-jährige Kleinmachnower Peter Mädler versucht, durch den Teltowkanal in den Westen zu schwimmen und wird erschossen.
22.11.1963: Eine junge Kleinmachnower Autorin gibt ihr Debüt im Joliot-Curie-Klub: Christa Wolf ist zu Gast und liest aus ihrem Buch „Der geteilte Himmel“, mit dem sie ihren literarischen Durchbruch erzielt.
1965
4.3.1965: Der 21-jährige Christian Buttkus bezahlt seinen Fluchtversuch in Dreilinden mit dem Leben.
18.10.1965: Walter Kittel (21) wird nahe der Stammbahn beim Versuch, die Grenze zu überwinden, erschossen.
1966
Grenzsoldaten erschießen am 16. Dezember den erst 17 Jahre alten Karl-Heinz Kube beim Fluchtversuch am Teltowkanal.
1969
Autobahn und Kontrollstelle Dreilinden werden neu gebaut. Das zum dritten Mal umgesetzte Panzerdenkmal empfängt dort die Reisenden nach Berlin (West).
Am Steinweg wird die Ernst-Thälmann-Schule (heute: Steinweg-Grundschule) eröffnet.
1970
Das Kino Kammerspiele wird zum Kulturzentrum umgebaut.
1972
Die drei Volksvertretungen der Stadt Teltow und der Gemeinden Kleinmachnow und Stahnsdorf beschließen, so wie es Artikel 43 der DDR-Verfassung vorsieht, den Gemeindeverband „Industriegebiet Teltow“ zu gründen.
1973
Das Krankenhaus am August-Bebel-Platz wird geschlossen und zur Poliklinik mit mehreren Arztpraxen umgebaut.
Erster Spatenstich für ein Freibad in den Kiebitzbergen. Am Bau beteiligt sind vor allem die Mitarbeiter der Betriebe aus der Region.
1975
Am OdF-Platz entsteht eine neue Kaufhalle.
1976
Am 15. Mai – anlässlich des IX. Parteitags der SED - wird das Freibad Kiebitzberge eröffnet. Das Freibad am Stahnsdorfer Damm (Boschbecken) wird geschlossen.
1977
Günther Weigt wird neuer Bürgermeister.
Rammrath- und Friedensbrücke (früher Badewitzbrücke) werden neu gebaut. Letztere bleibt jedoch Radfahrern und Fußgängern vorbehalten.
1979
Bürger verhindern mit massiven Protesten die geplante Sprengung der Bäkemühle.
1980
Der S-Bahnverkehr zwischen Zehlendorf und Düppel wird in Folge des S-Bahnstreiks eingestellt.
1981
Der Teltowkanal wird nach mehrjährigen Sanierungsarbeiten wieder für die West-Schifffahrt geöffnet.
1983
Die Maxim-Gorki-Oberschule eröffnet den Schulbetrieb an der Förster-Funke-Allee.
1984
Die bis dahin unbefestigte Förster-Funke-Allee wird zwischen Karl-Marx-Straße und Leninallee (heute Hohe Kiefer) asphaltiert.
1985
Einweihung des Wohnblocks für altersgerechtes Wohnen an der Förster-Funke-Allee.
1988
Kfz-Schlosser aus dem KIB Max Reimann werden durch Fachleute vom ADAC qualifiziert, um den neuen Autobahn-Hilfsdienst auf DDR-Autobahnen auch für internationale Autos zu übernehmen. Mit 16 VW-Passat-Werkstattwagen nehmen sie den Dienst auf.
1989
Im März übernimmt Günter Weber das Bürgermeisteramt.
Die Unzufriedenheit mit der politischen Situation wächst. Vom 1. Oktober bis zum 5. November kommt es in der Evangelischen Kirche am Jägerstieg zu Bürgergesprächen. Neue politische Parteien und Bürgerbewegungen diskutieren mit Vertreten der Gemeindevertretung.
9. November 1989: Auf einer Pressekonferenz verkündet Günter Schabowski Reisefreiheit für alle DDR-Bürger. Unverzüglich machen sich die Ersten - darunter auch viele Kleinmachnower - auf den Weg zu den Grenzübergängen. Unter dem Druck der Massen werden sie schließlich geöffnet. Es ist die Nacht des Mauerfalls!
11. Dezember 1989: Entlang des Teltowkanals beginnen Grenzsoldaten in den Morgenstunden mit der Auflösung des Grenzgebietes. Auch in Dreilinden verschwinden Betonpfähle und die Schilder, mit denen „Unberechtigte“ ferngehalten wurden. Erstmals seit 28 Jahren ist der Ortsteil wieder für jeden frei zugänglich. Einen offiziellen Befehl für diese Aktion gibt es erst drei Tage später. Nach 28 Jahren und 4 Monaten wird der Grenzübergang Düppel wieder geöffnet.