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Die braunen Jahre

1933-1945

1933

4.2.1933: Innenminister Hermann Göring ordnet die Auflösung aller Gemeindevertretungen und Neuwahlen zum 12.3.1933 an. Auf die NSDAP entfallen in Kleinmachnow 669 von 1443 Stimmen.

1.5.1933: Zum neuen Bürgermeister wird der Bauingenieur Dr. Erich Engelbrecht (NSDAP- und SS-Mitglied) gewählt.

5.7.1933: Auf dem neuen Waldfriedhof am Steinweg finden die erste Beisetzungen statt.

Rege Bautätigkeit ist in Kleinmachnow zu verzeichnen. Doch Bauunternehmer Adolf Sommerfeld, dessen Bürgerhaussiedlung gerade wächst, ist wegen seiner jüdischen Herkunft nach der Machtergreifung Hitlers zur Flucht gezwungen. Sein Unternehmen wird „arisiert“ und im November 1933 mit der „Reichsfluchtsteuer“ in Höhe von 81.725 Reichsmark belegt. Die Siedlung wird weitergebaut. Bis 1936 entstehen dort 1260 Häuser.

1933-1937

Moderne Zeiten brechen an – Kleinmachnow wird elektrifiziert.

1934

In Dreilinden entsteht ein Autobahnzubringer zur Avus.

Die Planungen für die Dreilinden Maschinenbau GmbH (DLMG), einer Tochter des Bosch-Konzerns und der Luftfahrt-Anlagen GmbH Berlin auf dem Gelände am Stahnsdorfer Damm 81, beginnen. Geplant ist eine moderne Rüstungsfabrik , „ein Unternehmen von größter Bedeutung für die Luftfahrt“, wie es bereits in der Planungsphase hieß. Das Werk wird unter größter Geheimhaltung konzipiert und gebaut.

1935

5900 Einwohner

1936

9. März 1936: Förster Heinrich Funke, erster Bürgermeister Kleinmachnows und einziger Ehrenbürger stirbt.

November 1936: Das Kino "Kammerspiele" mit 499 Plätzen wird eröffnet.

1937

Dietloff von Hake verkauft die neue Hakeburg für 2,4, Millionen reichsmark mitsamt Seeberg-Areal an das Deutsche Reichspostministerium.

Kleinmachnow erhält ein Wappen.

Juni 1937: 10.764 Einwohner

1938

Auf dem Seeberg werden bis 1940 sechs große Gebäude für die Reichspost-Forschungsanstalt errichtet. Diese umfasst anfangs 14, zu Kriegsende 50 Sachgebiete, darunter Hochfrequenztechnik, Atomphysik für militärische Zwecke, Funkmessprogramme, Radar, fernsehgestützte Raketen- und Panzersteuerung, Abwehr feindlicher Bomber, Infrarot-Nachtsichtgeräte, Nachtjägerleitverfahren, Abhörtechnik sowie Ver- und Entschlüsselung von Geheimcodes.

Für eine neue 85 Meter lange Nordkammer der Schleuse Kleinmachnow muss das Schleusenwirtshaus abgerissen werden. Als Ersatzbau entsteht ein schönes Fachwerkhaus.

1939

Volkszählung in Deutschland: In Kleinmachnow werden 155 jüdische Bürger (Nachweis der Herkunft bis zu den Großeltern) erfasst.

September 1939: Der Aufbau von Flugabwehrstellungen (Flak) am Bahnhof Düppel beginnt. 16 Geschützrohre werden bis Ende 1943 aufgestellt.

30.9.1939: Offizielle Eröffnung der Oberschule am Weinberg, die bereits seit Beginn des Schuljahres am 1.4.1939 betrieben wird.

1941

Neben der Dreilinden Maschinenbau GmbH (DLMG) am Stahnsdorfer Damm entsteht ein Lager für Fremdarbeiter und Kriegsgefangene. Nördlich der Straße werden Lagerbaracken für deutsche Gefolgschaftsmitglieder errichtet. Im Lager werden zum Kriegsende rund 2.200 ausländische Fremd- oder Zwangsarbeiter aus 14 verschiedenen Staaten eingepfercht.

16.1.1941: Dietloff von Hake – letzter der Kleinmachnower Linie – stirbt in Babelsberg.

Kleinmachnow hat 14.658 Einwohner.

27.11.1941: Dr. Ernst Salomon wird als erster Kleinmachnower Jude deportiert. Nur drei Tage später wird er in Riga ermordet.

1942

20.1.1942: In Berlin wird in geheimer Beratung in der sogenannten Wannseekonferenzunter Vorsitz von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich die „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen. Damit beginnt die organisierte Deportation und Vernichtung von Juden, Sinti, Roma und anderer Opfergruppen.   Auch viele jüdische Menschen in Kleinmachnow werden noch in diesem und den Folgejahren Jahr in die Todeslager verschleppt.

1943

27. März 1943: Erstmals werden Bomben über Kleinmachnow abgeworfen. Herrenhaus, Gutsanlagen und Wohnhäuser werden getroffen. Gezielte Angriffe auf die Gemeinde gab es wohl nicht, doch Notabwürfe oder Fehltreffer verursachen immer wieder Schäden, die schwersten im März 1944 mit 29 Toten.

2.12.1943: Ein britischer Bomber wird abgeschossen und stürzt brennend in das Gelände am Machnower See unterhalb der Hakeburg. Dabei sterben alle acht Insassen, darunter der norwegische Dichter und Kriegsberichterstatter Nordahl Grieg (geb. 1902 in Bergen).

1944

765 meist polnische Mädchen und Frauen werden vom KZ Ravensbrück in zwei Transporten nach Kleinmachnow überführt und in den Keller der Halle K 24 auf dem Werksgelände der Dreilinden Maschinenbau GmbH (DLMG) eingepfercht und zur Arbeit für die deutsche Rüstung gezwungen.

1945

Die drei Brücken (Rammrath-, Badewitz- und Schleusenbrücke) über den Teltowkanal werden von der Wehrmacht gesprengt. Die Rote Armee rückt trotzdem ein.

April 1945: Das KZ-Außenlager der DLMG wird aufgelöst, die Häftlinge werden in das Stammlager Sachsenhausen verbracht. Von dort aus werden sie auf den berüchtigten Todesmarsch in Richtung Schwerin getrieben.

24.4.1945: Sowjetische Truppen überqueren in den Morgenstunden in Teltow den Teltowkanal und besetzen bis zum Abend etwa 80 Prozent von Kleinmachnow.

28.4.1945: Ein sowjetischer Offizier bestimmt Ernst Lemmer (1898–1970) zum Bürgermeister von Kleinmachnow.

1.5.1945: Letzte Kämpfe in Kleinmachnow, in Dreilinden und im Schleusenbereich.

15.6.1945: Erster offizieller Nachkriegsbürgermeister von Kleinmachnow wird Johannes Freimund.

Von  Ende Juni bis zum 3.10.1945 ist Kleinmachnow ohne Besatzungstruppen. Die Rote Armee zieht sich hinter den Teltowkanal zurück, in der Annahme, dass Kleinmachnow zum Zehlendorfer Gebiet gehören würde. Und die Amerikaner bleiben innerhalb der Berliner Stadtgrenze. In dieser Zeit gibt es für einige Wochen Zehlendorfer Lebensmittelkarten. Plünderungen und Gewalttätigkeiten durch Angehörige beider Besatzungsmächte sollen weiterhin an der Tagesordnung gewesen sein.

6.9.1945: Der Beschluss über die Durchführung der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wird zügig durchgesetzt. Grundbesitzer, die mehr als 100 Hektar Land besitzen, werden entschädigungslos enteignet und müssen das Kreisgebiet verlassen.  Das trifft auch die Familie Julie von Zimmermann, Erbin derer von Hake. Deren Landbesitz wird in den Folgejahren parzelliert und an Kleingärtner sowie Vertriebene, Umsiedler und ehemaligen Gutsarbeiter vergeben, die damit zu „Neubauern“ werden.


02.12.2021