Das Alte Dorf
Kleinmachnows Ursprünge liegen dort, wo sich dereinst die Bäke – damals noch ein ganz ansehnlicher Bach – und die wichtige Handelsstraße zwischen Leipzig und Spandau kreuzten. Dieser Ort liegt am heutigen Zehlendorfer Damm und weist mit der Bäkemühle und der Dorfkirche die zwei ältesten noch bestehenden Gebäude Kleinmachnows auf.
Erstmals schriftlich erwähnt wurde Kleinmachnow im Jahre 1375 im Landbuch Karls IV. Die Rede war damals noch von Parva Machenow. 100 Jahre später sprach man von Lutken machenow, und im Jahre 1652 kannte man das Dorf unter dem Namen Machenow ufm Sande. Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich schließlich die Bezeichnung Klein-Machnow durch. Mit der Gemeindegründung 1920 verschwand schließlich der Bindestrich und die bis heute gültige Schreibweise Kleinmachnow war entstanden.
Ein Modell des ursprünglichen Dorfes, wie es 1910 zu erleben war, ist im Rathaus Kleinmachnow (3. OG) zu bewundern. Gebaut wurde es vom Filmarchitekten Helfried Winzer († 2010). In der Realität existieren leider nur noch wenige architektonische Zeugnisse am südlichen Zehlendorfer Damm davon.
Die Alte Dorfkirche und das Rittergut derer von Hake
Die Dorfkirche wurde im Jahre 1597 unter dem Patronat derer von Hake eingeweiht. Sehenswert sind der 2006 restaurierte Flügelaltar und das Taufbecken im Innern der Kirche. In unmittelbarer Nähe der Alten Dorfkirche befand sich das einstiege Rittergut derer von Hake. Davon blieb im Lauf der Geschichte leider nur wenig erhalten. Nur das Tor, genannt "Medusentor", durch das man den Gutshof betrat, ist noch heute erhalten.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestand Rittergut derer von Hake aus drei Hauptgebäuden:
- Die Alte Hakeburg war keine Burg im traditionellen Sinne, sondern eher ein festes Haus in ebenerdiger Lage und ohne Burgmauern. Fontane beschrieb die Burg als ein schmuckloses Viereck mit einem sechseckigen Treppenturm an der Nordseite.
- Der Wirtschaftstrakt und Stallungen befanden sich links hinter dem Medusenportal, direkt vor der Burg.
- Das Gutshaus aus dem Jahr 1803 – gerne auch als Kleinmachnower Schloss bezeichnet – wurde im klassizistischen Barockstil erbaut und war ein Werk des Architekten David Gilly, einem Mitbegründer der Berliner Bauakademie. Das Gebäude hatte zum rückwärtigen Garten hin einen halbkreisförmigen Vorbau, der von hohen ionischen Säulen getragen wurde.
- Das Ensemble wurde ergänzt durch ein achteckiges großes Taubenhaus mitten im Hof. Die untere Ebene hatte Rundbögen, während die obere Ebene, die die Taubenschläge enthielt, mit Fachwerkornamenten versehen war.
Sowohl das Herrenhaus als auch die Alte Hakeburg wurden 1943 durch Brände zerstört und 1954 abgetragen. Vom ehemaligen Stammsitz derer von Hake zeugen heute nur noch das Medusentor vor der Alten Dorfkirche mit einem Medusenkopf darauf sowie Reste der historischen Gutsparkmauer.
Reise in die Vergangenheit
Tief in die Vergangenheit führten im Juli 2016 archäologische Ausgrabungen im einstigen Dorfkern. Bevor dort der neue Gemeindesaal der Evangelischen Kirche gebaut werden durfte, galt es, historische Spuren zu sichern. Auch wenn es kein Geheimnis ist, dass zwischen Alter Hakeburg und Dorfkirche Stallungen und Wirtschaftsgebäudes des Gutshofes standen, hatte kaum jemand vermutet, was dort noch alles unter einem Hügel im Verborgenen schlummerte.
Nach Jahrzehnten wurde altes Mauerwerk wieder sichtbar: Freigelegt wurden Reste eines alten Kachelofens und eines Wäschezubers sowie 200 Jahre altes Feldsteinpflaster, außerdem Ziegelböden und Fundamente sowie Wände aus verschiedensten, sich überlagernden Bauphasen. Auch kreisförmige Rinnen im Boden wurden vom Sand der Zeit befreit. Sie gaben zunächst Rätsel auf, ließen sich dann aber einer einstigen Zuckersiederei zuordnen. Dazu fanden sich noch jede Menge Scherben, Flaschen und Metallgegenstände im Erdreich des Gutshofs.
Polier Rainer Gronau, der mit dem Bagger großes Fingerspitzengefühl zeigt, fand sogar das Türschild des Standesamtes, das sich zu Förster Funkes Zeiten dort befand. Interessant waren auch die Ziegelsteine mit deutlich sichtbaren Prägungen, die verrieten, aus welcher Ziegelei sie einst kamen. „Hier ist alles voll auf dem Gelände“, stellte Archäologe Matthias Pytlik fest und ergänzte: „Da ist zwar nichts historisch Bedeutendes, aber es ist doch alles Kleinmachnower Geschichte.“
Soviel der historischen Mauern wie bautechnisch möglich blieb aber an Ort und Stelle, wenn auch wieder zugeschüttet und teilweise überbaut, nachdem alles umfassend dokumentieren war. So wird auch für spätere Generationen die Möglichkeit bestehen, noch tiefer in der Ortsgeschichte zu graben.
Die geplante Neugestaltung des Alten Gutspark ab 2024 wird den Verlauf der historischen Anlagen naturnah nachzeichnen und mit Infotafeln die Geschichte erfahrbar machen.
Ebenfalls Teil des Alten Dorfes sind das Alte Forsthaus an der nach ihm benannten "Allee am Forsthaus", das als erstes Gemeindeamt diente. Entlang des Zehlendorfer Damms finden sich die Alte Dorfschule, die heute ein Begegnungscafé für Jung und Alt beherbergt, das Landarbeiterhaus Z200, unter dessen Dach sich heute Kunst und Kultur versammeln, sowie die Bäkemühle.