Wildschwein-Problem: Jagd auf Hochtouren – Rathaus prüft zusätzliche Jagdflächen
Umgegrabene Gärten, verschmutzte Bürgersteige, umgekippte Mülltonnen, nächtlicher Lärm, verängstigte Schulkinder – Wildschweine sind in Kleinmachnow kein neues Problem. Doch derzeit sind sie in den Wohngebieten besonders präsent. Im Rathaus hat das Thema daher höchste Priorität. Und es passiert einiges: Es wird intensiver gejagt, ein spezielles Jagdgewehr kommt zum Einsatz und auch bei zusätzlichen möglichen Jagdflächen im Ort geht es voran.
„Wir wissen, wie sehr die Situation viele Menschen in Kleinmachnow derzeit beschäftigt. Das Thema hat für uns höchste Priorität“, betont Bürgermeister Bodo Krause. Im Rathaus wird die Lage regelmäßig neu bewertet. Gemeinsam mit den Jagdpächtern und weiteren Beteiligten wird ausgelotet, was zusätzlich getan werden kann, um den Wildschweinbestand in der Ortslage zu reduzieren.
Schon jetzt höhere Strecke als im gesamten vorigen Jagdjahr
Die erste Bilanz spricht für sich: Seit Beginn des Jagdjahres 2026/27 am 1. April 2026 wurden im Pachtgebiet Kleinmachnow/Stahnsdorf bereits 114 Wildschweine erlegt. Damit liegt die Strecke nach rund einem halben Jahr schon über den 107 Wildschweinen des gesamten Jagdjahres 2025/26.
Die hohe Strecke und die vielen Sichtungen im Ort sind zugleich deutliche Hinweise darauf, dass derzeit sehr viele Wildschweine unterwegs sind.
Intensive Jagd – warum sind trotzdem so viele Wildschweine im Ort?
Wildschweine sind schlau. Wo intensiv gejagt wird, reagieren sie, ändern ihre Wege und suchen sich neue, vermeintlich sichere Rückzugsorte. Genau diese Verschiebungen werden auch über das Wildschwein-Monitoring WIMO immer besser sichtbar. Schon im August 2026 zeigte sich, dass die Tiere an anderen Stellen in Kleinmachnow verstärkt auftauchen und dort zu einer hohen Belastung werden (“Wildschweine auf neuen Wegen: Sichten, melden, Abstand halten!“).
Dass ihre Spuren derzeit besonders sichtbar sind, hat auch mit der Jahreszeit zu tun. Wildschweine fressen sich Reserven für den Winter an. Dafür suchen sie intensiv nach Eicheln, Wurzeln, Engerlingen und Würmern – und hinterlassen so eine Spur der Verwüstung im Ort.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Wanderbewegungen der Wildschweine aus angrenzenden Gebieten zunehmen. Denn ob Berlin, Kleinmachnow oder Stahnsdorf – die Tiere kennen keine Gemeinde- oder Landesgrenzen.
Das ist nicht nur wegen der Schäden in den Gärten und auf den Grünflächen Kleinmachnows ein Problem. Denn Begegnungen mit Wildschweinen bergen auch für Menschen Gefahren – insbesondere, wenn sich die Tiere bedrängt fühlen oder Frischlinge dabei sind.
Fütterung und Vandalismus verschärfen das Problem
Leider wird die Arbeit der Jagdpächter regelmäßig erschwert: Hochstände und Lebendfallen werden beschädigt, Lebensmittel und andere Lockmittel gezielt im Ort verteilt und Löcher in Wildschutzzäune geschnitten. Die Gemeinde Kleinmachnow stellte den Jagdpächtern deshalb bereits vor einigen Jahren zwei Ansitze aus Stahl zur Verfügung, nachdem hölzerne Ansitze wiederholt manipuliert worden waren. Einer wurde sogar trotz Waldbrandstufe 5 angezündet. Inzwischen sind aber auch schon die Stahlkonstruktionen mit Metallsägen beschädigt worden.
Auch das illegale Füttern der Tiere verschärft das Problem. Wildschweine sind grundsätzlich Fluchttiere und gehen Menschen eher aus dem Weg. Werden sie jedoch regelmäßig gefüttert, verlieren sie zunehmend ihre Scheu und werden zusätzlich in die Wohngebiete gelockt. Wer beobachtet, dass Wildschweine gezielt gefüttert werden, sollte dies ebenfalls über WIMO melden.
Mehr Möglichkeiten für die Jagd im Ort
Die Gemeinde Kleinmachnow lotet weitere Möglichkeiten zur Bejagung aus. Dazu wird u.a. genau geprüft, auf welchen Flächen im Ort die Jagd rechtlich möglich ist und wo sie aufgrund der Einstufung als sogenannter „befriedeter Bezirk“ grundsätzlich ruht. „Wir wollen jede Fläche nutzen, auf der rechtlich und sicher gejagt werden kann. Bei zusätzlichen möglichen Jagdflächen im Ort sind wir inzwischen ein gutes Stück weiter“, sagt Bürgermeister Krause.
Außerdem nutzen die Jagdpächter inzwischen ein spezielles Jagdgewehr mit Unterschallmunition. Damit haben sie eine weitere Möglichkeit, Wildschweine unter bestimmten Umständen auch in der Ortslage zu bejagen.
Jede WIMO-Meldung hilft
Entscheidend ist dabei auch zu wissen, wo sich die Wildschweine aktuell aufhalten. Und dafür sind die Hinweise aus der Bevölkerung wichtig. Durch die zunehmende Zahl an Meldungen über WIMO zeigt sich immer genauer, wo sich die Wildschweine aufhalten und wie sich ihre Wege und Rückzugsorte verändern. Die Informationen werden ausgewertet und fließen in die weitere Bejagung ein. Deshalb weiterhin die Bitte: Wildschwein gesehen? Über WIMO melden!
Ganz verschwinden werden Wildschweine aus Kleinmachnow nicht. „Das wäre kein realistisches Versprechen“, sagt Bürgermeister Krause. „Aber der Bestand ist zu hoch. Um diesen zu reduzieren, wird derzeit an mehreren Stellen gleichzeitig angesetzt.“
Zu viele Wildschweine schaden auch den Tieren selbst
Auch aus Sicht des Tierschutzes ist ein dauerhaft zu hoher Schwarzwildbestand problematisch. Wo sehr viele Wildschweine auf engem Raum leben und sich große Rotten bilden, steigt der Konkurrenzdruck um Nahrung und Rückzugsräume. Gleichzeitig begünstigen häufige und enge Kontakte zwischen den Tieren die Übertragung von Krankheiten und Parasiten. Besonders deutlich wird dies bei Tierseuchen wie der Afrikanischen Schweinepest, die innerhalb von Wildschweinpopulationen durch direkten Kontakt weitergegeben werden kann und für betroffene Tiere meist tödlich verläuft.
Eine angemessene Regulierung des Bestandes dient deshalb nicht nur dem Schutz von Landwirtschaft, Natur und Bevölkerung, sondern kann auch dazu beitragen, Krankheitsdruck, Konkurrenz und damit vermeidbares Leiden innerhalb der Wildschweinpopulation zu begrenzen.