Gedenken zum Tag des Mauerbaus
„Spricht man von der ‚Mauer‘, so habe fast Jeder ein Bild vor sich“ – das sagte René Rögner-Francke, Bezirksverordnetenvorsteher aus Steglitz-Zehlendorf, am 13. August 2025 anlässlich der Gedenkveranstaltung zum Tag des Mauerbaus. In guter Tradition treffen sich an diesem Tag Vertreter aus Kleinmachnow mit den Nachbarn aus Berlin zum gemeinsamen Erinnern an diesen Tag, der Deutschland so nachhaltig prägte.
"Stacheldraht, Panzersperren, Schäferhunde an Laufleinen, Wachtürme, bewaffnete Ausweiskontrollen zur Prüfung der Berechtigung zum Betreten des Grenzgebietes (selbst für diejenigen, die dort wohnten), Kellerkontrollen, Selbstschussanlagen und Übergriffschutz-Vorrichtungen kennzeichnen auch in Kleinmachnow die Maueranlagen", berichtete Kathrin Heilmann, Vorsitzende der Gemeindevertretung im Rahmen der Gedenkveranstaltung. Ja sogar ein ganzes Grenzregiment auch mit Artillerie- und Granatwerferbatterie habe in verschiedenen Gebäuden in Kleinmachnow seinen Platz gefunden. "All das nur, um Menschen zu zwingen, dem Gedanken an ein System zu folgen", so Heilmann.
Fast 50 Menschen hatten sich am Mittwoch dort versammelt, wo 28 Jahre lang eine nahezu unüberwindliche Mauer ein Land in zwei Staaten teilte. Zunächst gedachte man auf Steglitz-Zehlendorfer Seite am Gedenkkreuz für den beim Fluchtversuch getöteten Karl-Heinz Kube. Rögner-Francke erinnerte dort an diesen Tag – Sonntag, der 13.8.1961 – der Familien, Freunde, Liebende trennte und so viel Leid brachte. „Die deutsche Teilung ist überwunden, doch die Opfer dürfen nicht vergessen werden“, mahnte der Berliner Bezirkspolitiker. Wichtig sei es heute aber auch, sich des Wertes von Freiheit und Demokratie bewusst zu sein – nicht nur an Tagen wie diesem.
In Vertretung des Kleinmachnower Bürgermeisters lud anschließend Kathrin Heilmann als Vorsitzende der Gemeindevertretung ein, auch am Gedenkort für die Maueropfer auf Kleinmachnower Seite kurz innezuhalten. Mit einer ganz persönlichen Geschichte trug sie zum Gedenken an den Tag des Mauerbaus bei. Sie berichtete von den Brüdern Klaus und Horst, die sich an diesem frühen Sonntagmorgen des 13. Augusts 1961 in Kleinmachnow aufmachten zu ihrem ehrenamtlichen Dienst bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) am Wannsee. Doch weit kamen sie nicht, denn bewaffnete Soldaten der „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“ und Volkspolizisten standen auf der Straße und sperrten den Zugang zu Zehlendorf ab. Ein Durchkommen war nicht möglich. Für Klaus und Horst war der Weg zum Wannsee geschlossen, und das für die kommenden 28 Jahre.
„Wer die Staatsgrenze unserer Deutschen Demokratischen Republik antastet, lässt Haare, Zähne oder das Leben. Dazu haben wir Waffen und scharfe Munition. Und wir wissen zu unterscheiden, wen wir damit schützen und wen wir mit ihnen zu vernichten haben,“ zitierte Kathrin Heilmann die Worte von Grenzsoldaten des Kleinmachnower Grenzregimentes, veröffentlicht in der Märkischen Volksstimme am 6. September 1961.
Wenn heute der Opfer und der Geschichte gedacht werde, so Heilmann, denke sie vor allem an die Jugend. Sie müsse lernen und erfahren, wie wichtig es ist, sich Gedanken über das Drumherum, den Staat, die Politik und das Zusammenleben zu machen. Und die Jugend heute habe auch die Möglichkeit, sich ungehindert und umfassend zu informieren und zu denken, was sie wolle.